Der Anfang

Leider konnten wir unsere Weihnachtsgänsezucht aus Altersgründen nicht weiter betreiben. Auch eine lange Suche nach einem Mitstreiter / Nachfolger blieb ergebnislos. Um die Weide jedoch weiter bewirtschaften zu können, musste daher eine neue Lösung her. Das Ergebnis war eine Dahomey Mutterkuhherde. Klein, robust, etwas kampfeslustig, selbst werhaft gegen Wölfe, und die Hauptsache, die Schlachterei von vielen Tieren entfällt. Kuhkälber sind als Zuchttiere gefragt und sollte mal ein Bullenkalb kein neues Zuhause finden, so passt es notfalls auch in die Kühltruhe.

Mein Plan war eigentlich die etwas größeren Dexter Zwergrinder zu halten. Diese wurden jedoch auf die Verzwergung hin gezüchtet. Dabei ist auch ein Gendefekt mitgezüchtet oder auch herausgezüchtet worden, der sog. Bulldogkälber. Diese sind nicht lebensfähig. Sie sehen aus wie kleine Monster; sie haben einen Bulldoggen-ähnlich verformten Kopf auf einem plumpen und nicht geschlossenem Leib mit stummelförmigen Gliedmaßen. Das stieß mich vom Halten und Züchten dieser Rasse ab.

Laut Literatur sollte dies bei Dahomeys nicht vorkommen. Was mir jedoch bereits nach 6 Wochen nach Erhalt der Herde prompt und brutal widerlegt wurde. Auch bei den Dahomeys ist ein Gendefekt sogar relativ häufig anzutreffen, was ähnliche Probleme mit sich bringt. Was war passiert?

Ich hatte die Tiere bereits im Juni letzten Jahres bestellt. Im August sollte der Bulle zur Herde, damit im April / Mai die Kälber kommen. Die drei großen waren oder sind auch Tragend. Im September ist dann eine aus dem Zuchtverein sich sehr mit diesem Problem beschäftigte Züchterin darauf gekommen, das auch ein ähnlicher Gendefekt bei Dahomeys vorkommt, welcher bisher nur hinreichend in den USA erforscht und nachgewiesen wird. Von allen Tieren aus dem Zuchtverein wurden Haarproben entnommen und nach Amerika geschickt. Ende November kam dann das erschreckende Ergebnis, bei ca. der Hälfte aller Tiere konnte dieses Gen nachgewiesen werden. Auch 3 von meinen 5 waren betroffen. Bisher wurde das Problem nicht bemerkt, da die Kühe das Embryo vorzeitig abstoßen. Der Gendefekt kommt auch nur zum Tragen, wenn Mutter und Vater ihn haben. Was in meinem Fall zutraf. Regina (im Bild unten re.) hatte es leider. Im Februar, genau in der Zeit der aufeinanderfolgenden Winterstürme, bekam sie Wehen. Ich holte den Tierarzt. Dieser behauptete jedoch sie hätte Geräusche in der Lunge und behandelte sie auf Erkältung. Ich hatte sie zwar darauf hingewiesen, das alle Anzeichen für eine Frühgeburt da sind. Sie wehrte ab.  Da mir die Erfahrung mit Rindern fehlte, konnte ich mich nicht dursetzten. Ein fataler Fehler. Sie starb Qualvoll nach einigen Tagen. Die Resektion brachte es dann zu Tage. Regina hatte ein solches deformierte Kalb ausgetragen. Es war zu unförmig um durch den Geburtskanal zu kommen. Der Tierarzt, oder besser gesagt, Tierärztin hätte das erkennen müssen und handeln. Wege um Regina zu Retten hätte es gegeben. 

Die neue Aufgabe besteht jetzt darin, züchterisch dieses Gen zu eliminieren. Immerhin zwei meiner noch 4 Kühe besitzen nachweislich diesen Gendefekt nicht und werden damit sehr wertvoll.

Unsere Tiere haben alle Papiere mit Abstammungsnachweis, was eine saubere Zucht erst möglich macht.

Die Puten im Hintergrund verdeutlichen gut die tatsächliche Größe der Kühe. Im Vordergrund 3 tragende ältere Kühe, hinten ein Kalb, ca. 7 Monate alt.